Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden

Im Gespräch: Dr.-Ing. Frank Hiller, Vorstandsvorsitzender der DEUTZ AG, über die Wurzeln und die Zukunft von DEUTZ

»2017 ist gut gelaufen. Wir konnten wichtige strategische Weichenstellungen setzen und im Unternehmen eine Aufbruchsstimmung und neue Dynamik erzeugen.«

Herr Dr. Hiller, wie bewerten Sie das Geschäftsjahr 2017? Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolge des vergangenen Jahres?

Dr.-Ing. Frank Hiller: 2017 ist für DEUTZ gut gelaufen. Wir konnten uns operativ verbessern, wichtige strategische Weichenstellungen setzen und im Unternehmen eine Aufbruchsstimmung und neue Dynamik erzeugen. Hervorheben möchte ich vor allem die Zertifizierung für die EU Stufe V als erster Motorenhersteller der Welt, die neue E-DEUTZ-Strategie, die Übernahmen des Elektroantriebsspezialisten Torqeedo und unseres italienischen Händlers IML Motori S.r.l. sowie die Erweiterung unserer Produktpalette durch die Kooperation mit Liebherr. Auch die Geschäftszahlen 2017 haben sich deutlich verbessert: Wir konnten alle wesentlichen Kenngrößen wie Auftragseingang, Umsatz und operatives Ergebnis deutlich steigern. Dies wird auch vom Kapitalmarkt gewürdigt: Unsere Aktie hat 2017 um über 40 % zugelegt.

DEUTZ ist ein Unternehmen mit einer langen, erfolgreichen Tradition. Inwieweit beeinflusst diese Tatsache das heutige Geschäft?

Dr.-Ing. Frank Hiller: Wenn wir zurückblicken, dann war DEUTZ von Anfang an ein technologisch führender Anbieter von Motoren, bei dem die besten Ingenieure ihrer Zeit arbeiteten: Daimler, Maybach, Bugatti. Heute wollen wir ebenfalls die besten Ingenieure für die Entwicklung von Antriebssystemen für die Zukunft gewinnen. Das Viertaktprinzip war die Geburtsstunde der Verbrennungsmotoren und das Fundament der weltweiten Motorisierung, die wir heute auf- und abseits der Straße erleben. DEUTZ und seine Ingenieure haben immer Veränderungen herbeigeführt. Innovative und technologisch führende Lösungen sind auch in Zukunft von DEUTZ zu erwarten.

»DEUTZ und seine Ingenieure haben immer Veränderungen herbeigeführt. Das Viertaktprinzip war die Geburtsstunde der Verbrennungsmotoren und das Fundament der weltweiten Motorisierung – innovative und technologisch führende Lösungen sind auch in Zukunft von DEUTZ zu erwarten.«

Der Diesel ist heute in aller Munde: Was ist Ihre Meinung zu dem Thema und wie schätzen Sie die Entwicklung in Ihren Märkten diesbezüglich ein?

Dr.-Ing. Frank Hiller: Eine der wesentlichen Anforderungen unserer heutigen Gesellschaft lautet, Energie zu sparen und die Motorisierung sauberer und umweltfreundlicher zu machen. Es ist eine große »Dieseldiskussion« entstanden. Wir sind überzeugt: Die Dieseltechnologie wird noch lange Zeit das führende Antriebssystem für schwere Off-Highway-Anwendungen wie zum Beispiel die Landtechnik bleiben. Aber die Realität ist: Es gibt einen Paradigmenwechsel in der öffentlichen Akzeptanz von Dieselmotoren. Dem stellen wir uns. Wir wollen aktiv Veränderungen vorantreiben und davon profitieren. Nicht umsonst sind wir weltweit der erste Motorenhersteller, der für die kommende Emissionsstufe EU Stufe V zertifiziert ist. Wir wollen noch weiter gehen, um den Anforderungen gerecht zu werden, effiziente und zugleich noch umweltfreundlichere Antriebssysteme anzubieten.

»Es gibt einen Paradigmenwechsel in der öffentlichen Akzeptanz von Dieselmotoren. Dem stellen wir uns. Wir wollen aktiv Veränderungen vorantreiben und davon profitieren.«

Was heißt das konkret? Wie sieht die Strategie von DEUTZ aus?

Dr.-Ing. Frank Hiller: Wir haben im Jahr 2017 eine neue Strategie implementiert: Wir wollen der führende Hersteller innovativer Antriebssysteme werden. Wir werden weiterhin in saubere Dieselantriebe investieren und sehen hierin gute Potenziale für DEUTZ. Mit der neuen Großmotorenserie in Kooperation mit Liebherr erweitern wir beispielsweise unser Angebot an Dieselmotoren im oberen Leistungsbereich. Gleichzeitig wollen wir unser Technologieportfolio erweitern. So werden wir zukünftig auch Antriebslösungen mit alternativen Kraftstoffen anbieten – zunächst mit Flüssiggas und biogenen Kraftstoffen. Darüber hinaus werden wir im Rahmen der E-DEUTZ-Strategie frühzeitig in die Entwicklung technisch ausgereifter und wirtschaftlicher Elektrifizierungslösungen im Off‍‍­-‍Highway-Bereich einsteigen. Elektrifizierte Antriebe sollen in fünf Jahren 5 – 10 % unseres Umsatzes ausmachen. Wie es dann weitergeht, hängt von vielen Faktoren wie der Infrastruktur, der Batterieentwicklung und dem Kundenverhalten ab.

Wie gehen Sie das Thema Elektrifizierung an? Immerhin steht Ihre Branche hier noch ganz am Anfang.

Dr.-Ing. Frank Hiller: Wie ich eingangs schon erwähnte, haben wir im Herbst 2017 die Torqeedo GmbH übernommen, den Marktführer in der Elektromobilität im Bootsbereich mit zwölfjähriger Erfahrung und 70.000 verkauften Systemen im Feld. Nun geht es darum, das umfassende Know-how auf unsere Anwendungsfelder zu übertragen. Bereits im laufenden Jahr wollen wir erste Prototypen für Hybrid- und Elektroantriebe vorstellen. Mit dem Erwerb von Torqeedo verfügt DEUTZ nun über Systemkompetenz hinsichtlich Batteriemanagement, Elektromotoren und Leistungselektronik sowie der Integration dieser Komponenten in elektrifizierte Antriebe. Fazit: Wir sind dabei, ein skalierbares Produktportfolio hybrider und vollelektrischer Antriebe für die spezifischen Anforderungen unserer Kunden aufzubauen. Mit diesen Technologieinvestitionen trägt DEUTZ zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch und niedrigeren Emissionen bei – und verbessert die Gesamtkosten für Endkunden über den Lebenszyklus.

Wie hoch sind denn die Investitionen in die Elektrifizierung?

Dr.-Ing. Frank Hiller: Wir haben derzeit ein Budget von 100 Mio. € für die Elektrifizierung von DEUTZ einschließlich der Akquisition von Torqeedo. Der Großteil der Investitionen ist damit bereits 2017 angefallen. Das zeigt, wie ernst wir das Thema Elektrifizierung nehmen. Das Ganze können wir im Übrigen aus eigenen Mitteln finanzieren, da wir im abgelaufenen Jahr mit dem Verkauf unseres bisherigen Areals in Köln-Deutz einen sehr hohen Sondererlös erzielt haben und damit unsere ohnehin bereits gute Finanzsituation weiter stärken konnten.

»Wir sind dabei, ein skalierbares Produktportfolio hybrider und vollelektrischer Antriebe für die spezifischen Anforderungen unserer Kunden aufzubauen. Mit diesen Technologieinvestitionen trägt DEUTZ zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch und niedrigeren Emissionen bei.«

Und welchen Beitrag leistet die Akquisition von IML?

Dr.-Ing. Frank Hiller: Mit IML Motori, die nun als DEUTZ Italy firmiert, haben wir uns an einer ganz anderen Stelle verstärkt: Die Gesellschaft war bereits unser langjähriger italienischer Vertriebs- und Servicepartner. Mit der Übernahme stärken wir das profitable Servicegeschäft im Mittelmeerraum und kommen zudem noch enger in Kontakt mit unseren Kunden. Auch dies ist ein ganz wichtiger Teil unserer Erfolgsstrategie.

»An erster Stelle steht der ständige Fokus auf Kundenzufriedenheit und eine überzeugende Produktqualität. Ich will als Vorstandsvorsitzender gemeinsam mit allen Kolleginnen und Kollegen dazu beitragen, unseren Kunden auch zukünftig die richtigen Lösungen anzubieten.«

Sie sind nun seit mehr als einem Jahr Vorstandsvorsitzender der DEUTZ AG. Können Sie ein kurzes Resümee ziehen?

Dr.-Ing. Frank Hiller: Wie bereits ausgeführt hat sich DEUTZ 2017 operativ und strategisch gut entwickelt. An erster Stelle steht der ständige Fokus auf Kundenzufriedenheit und eine überzeugende Produktqualität. Ich will als Vorstandsvorsitzender gemeinsam mit allen Kolleginnen und Kollegen dazu beitragen, unseren Kunden auch zukünftig die richtigen Lösungen anzubieten. Wir wollen unsere Marktposition, den unternehmerischen Erfolg und somit letztlich die Attraktivität für unsere Kunden und den Kapitalmarkt weiter stärken.

Nach dem sehr erfolgreichen Geschäftsjahr 2017 – wie schätzen Sie die Entwicklung im Geschäftsjahr 2018 (und darüber hinaus) ein?

Dr.-Ing. Frank Hiller: Ich denke, wir sind auf einem guten Weg – nun gilt es das Momentum beizubehalten. Für das Geschäftsjahr 2018 bin ich sehr zuversichtlich, dass dies ebenfalls erfolgreich für DEUTZ wird und wir unsere Ziele erreichen werden. Nehmen wir das Beispiel Profitabilität: Das operative Ergebnis lag 2016 nur bei knapp 2 %, das ist nicht zufriedenstellend. 2017 haben wir hier einen guten Schritt gemacht und knapp 3 % erreicht. Im laufenden Jahr werden wir die EBIT-Marge wieder deutlich steigern. In fünf Jahren wollen wir bei 7 bis 8 % EBIT-Rendite liegen.

Herr Dr. Hiller, vielen Dank für das Gespräch.